Diese Frage ist sicherlich so alt wie die Menschheit selbst. Die Antworten auf diese Frage sind ebenso reichhaltig wie widersprüchlich.

Jeder von uns verfolgt sein eigenes Konzept zu einem glücklichen Leben. Möglicherweise sind wir uns in einigen Punkten darüber einig, dass dies und jenes wichtig ist. Wir werden jedoch keinen zweiten Menschen finden, der genau den gleichen Weg zum Glück eingeschlagen hat wie wir. Wir sind also in dieser Hinsicht absolut einzigartig!

Doch was ist Glücklichsein wirklich?

Reich, berühmt und sexy und dann von der Brücke springen?!

Es gibt Menschen, die scheinbar alles haben, was man zum Glücklichsein braucht. Sie sind erfolgreich, verdienen viel Geld, haben einen tollen Lebenspartner, sehen gut aus, sind gesund und fit und werden von vielen Menschen begehrt. Doch trotz dieser tollen Lebensumstände springen sie von der Brücke und setzen ihrem Leben ein freiwilliges Ende. Der Grund: Sie waren unglücklich und sahen keine Chance mehr, irgendwann glücklich zu werden.

Was um alles in der Welt fehlte ihnen? Die Antwort ist einfach: Ihnen fehlten glückliche Gefühle. Sie hatten alles, nur keine glücklichen Gefühle.

Glücklich sind wir immer nur dann, wenn wir uns auch wirklich glücklich fühlen. Die äußeren Umstände unseres Lebens können noch so genial sein – wenn wir uns dabei unglücklich fühlen, nutzen sie uns auch nichts.

Lottogewinner und Rollstuhlfahrer

In Amerika gab es einmal eine große Studie, die als Klassiker in die Gesichte der menschlichen Sozialforschung eingegangen ist. Man wollte herausfinden, wie groß der Unterschied im Glücksempfinden zwischen Menschen war, die viel Geld im Lotto gewonnen hatten, und Menschen, die mit einer Querschnittslähmung an den Rollstuhl gefesselt waren. Man stattete beide Gruppen mit einem Piepser aus, der sie mehrere Tage lang alle fünf Minuten daran erinnerte, ihr momentanes Glücksempfinden in eine Liste einzutragen. Das Ergebnis dieser Studie verblüffte alle. Es gab keinen nennenswerten Unterschied zwischen beiden Gruppen in Bezug aufs Glücklichsein. Natürlich erlebten sie unterschiedliche Situationen und Lebensumstände. Doch in ihrem Glücksempfinden waren sie praktisch gleich.

Eine ähnliche Studie verglich chronische Schmerzpatienten mit gesunden Menschen. Auch hier zeigte sich wider Erwarten das gleiche Bild: Beide Gruppen waren in etwa gleich glücklich. Nach neuesten Forschungen aus dem Bereich der Neurobiologie ist dies auch erklärbar: Wir haben verschiedene Gehirnzentren für Schmerzen und für Glücksgefühle. Beide können gleichzeitig aktiviert werden. Die Frage ist lediglich, worauf diese Menschen ihre Aufmerksamkeit lenken. Bei allen Schmerzpatienten wurde deutlich, dass sie ihren Schmerz immer wieder einmal vergaßen und sich anderen wichtigen Dingen zuwendeten, die sie glücklich machten. Im Schnitt vergaßen diese Menschen genauso häufig ihren Schmerz, wie die Gesunden andere Sorgen vergaßen.

Eine halbe Stunde geliebt werden

Eine weitere erwähnenswerte Studie beschäftigte sich mit dem Glücksempfinden von Paaren und Singles. Man wollte herausfinden, wer glücklicher ist. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Es gab wieder einmal keinen nennenswerten Unterschied. Beide Gruppen waren gleich glücklich.

Trotzdem sehnen sich die meisten Menschen nach einer Partnerschaft. In Anbetracht der Gleichwertigkeit des Single-Glücks ist das verwunderlich. Es wird jedoch verständlich, wenn man sich die menschlichen Instinkte anschaut.

Der Mensch war in seinem Ursprung ein Rudeltier. Er hat ein angeborenes Verhaltensprogramm, das ihn dazu veranlasst, sich mit anderen Menschen zusammentun zu wollen. Das innigste Zusammensein ist für die meisten Menschen eine Partnerbeziehung. Wann immer wir uns mit jemandem zusammengehörig fühlen, fühlen wir uns auch glücklich. Leider fühlen wir uns auch grottenschlecht, wenn diese Zusammengehörigkeit gefährdet scheint. Daher heben bei den meisten Paaren die Vorteile einer Partnerschaft in Bezug auf glückliche Gefühle die Nachteile ziemlich genau wieder auf. Paare sind im Schnitt also nicht glücklicher als Singles.

Was in dieser Studie ebenfalls ermittelt wurde, war die Zeitspanne, die glückliche Paare täglich miteinander mit glücklichen Gefühlen verbrachten. Gewertet wurden nur Glücksgefühle, die kein anderer Mensch genauso gut hätte auslösen können. Es ging um Liebe, Verbundenheit, Leidenschaft und so weiter, also um all die schönen Dinge innerhalb einer Partnerschaft. Was nicht gewertet wurde, waren zum Beispiel Gespräche, die nach eigenen Angaben der Testpersonen mit anderen Menschen genauso glücklich hätten sein können. Es ging also nur um direktes, primäres Partnerglück, das man mit sonst keinem Menschen teilen konnte. Das Ergebnis war verblüffend: Nur eine halbe Stunde pro Tag verbringen glückliche Paare im Durchschnitt mit Liebe und Partnerglück.

Andererseits beschäftigen sich die meisten Menschen aber 24 Stunden am Tag damit, wenn in ihrer Partnerschaft ein ernsthaftes Problem zu lösen ist. Die Ursache dieses ungewöhnlichen Phänomens gibt uns die Möglichkeit, unser Glückspotenzial vollständig freizulegen.

Glücklichsein heißt, sich glücklich zu fühlen

Es sind also unsere glücklichen Gefühle, die uns glücklich machen. Die Lebensumstände, in denen wir leben, haben längst nicht die Bedeutung, die wir ihnen bisher beigemessen haben. Vielmehr kommt es darauf an, was wir aus den Umständen machen. Ob wir uns damit gute oder schlechte Gefühle machen, liegt ganz allein bei uns!