„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man kriegt.“ Jeder, der den Film Forrest Gump kennt, kennt auch diesen Satz. Ein weiser Spruch, denn unser aller Leben ist immer wieder voller Überraschungen und wartet mit vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen auf. Forrest Gump greift sehr oft in die Pralinenschachtel des Lebens. Er wird als „Zurückgebliebener“ bezeichnet. Das hat einen unguten Beigeschmack. Denn wer will das schon sein? Forrest Gump ist es. Er ist dort geblieben. In vielen Bereichen seines Tuns und Denkens. Wo dort? In seinem inneren Kind-Sein, das man in der Regel auf dem Weg zum „reifen“ Erwachsenen abstreift und wegwirft. Wie einen alten Mantel. Forrest Gump sieht die Welt und das Leben so, wie auch ich es gerne öfter tun würde. Entspannter und gelassener. Loslassender. Forrest ist authentisch und unmittelbar. Er hat ein untrügliches Gespür für den richtigen Zeitpunkt im Leben – den kairos, wie die alten Griechen dazu sagten. Es ist das intuitive Wissen um die richtige Zeit für etwas. Wann etwas getan oder gelassen werden muss. So legt Forrest Gump von einem Augenblick auf den anderen seinen Tischtennisschläger aus der Hand und geht weiter. Obwohl er ein erfolgreicher Spieler ist und gut verdient. Kein Gedanke daran, was er alles aufgibt oder was er noch alles erreichen könnte. Diese Zeit ist für ihn vorbei, sie hat sich erschöpft. Zeit für Veränderung. So ist es auch bei seinem Lauf quer durch Amerika. Er erkennt für sich die richtige Zeit zum Loslaufen und dann auch wieder die zum Aufhören. Alles hat seine Zeit. Etwas Kluges darüber steht auch im Alten Testament: „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit… Eine Zeit zum Weinen, eine Zeit zum Lachen … eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen ..

Forrest Gump erkennt intuitiv, dass man Dinge loslassen muss im Leben, damit man nicht erstarrt und sich festfährt. Er beendet sein Laufen, damit sein künftiger Lebens-Lauf weitergehen kann. Wie viele Menschen bleiben im Gewohnten, obwohl sie spüren, dass dies der absolut falsche Weg für sie ist? Geht es Ihnen auch so? Forrest Gump trägt das Loslassen-Können bei all seinen Tätigkeiten in sich.

Er verfolgt seine Ziele voll konzentriert, mit Zielstrebigkeit, mit Ehrgeiz und mit der richtigen Portion Leidenschaft. Er strebt dabei weder nach Ruhm, Reichtum oder Akzeptanz seiner Mitmenschen. Auch nicht nach dem großem Erfolg. Er hängt sein Herz nicht daran, ist aber mit dem Herzen dabei. Wenn er Dinge besitzt, dann ist es so, als besäße er sie nicht. Jederzeit kann er alles aus der Hand geben. Ohne Groll, ohne Trauer und ohne Angst. Er spürt, dass alles in unserem Leben nur geliehen ist. Unser Erdenleben lang. Besitz, Zeit, Liebe, Erfolg und all das andere, auf das man sich etwas einbildet. Forrest Gump ist anderen ein wahrer Freund. Er lässt andere an seinen Träumen und an seinen Erfolgen teilhaben. Da ist kein Platz für Neid, Eifersucht oder für die Angst, selbst zu kurz zu kommen. Er übersieht auch die verschiedenen Nöte seiner Mitmenschen nicht.

Wenn er jemandem Gutes tut, dann erwartet er keine Gegenleistung dafür, nicht einmal Dank. Er hängt es nicht an die große Glocke. Wenn man solche Eigenschaften nur einem „Zurückgebliebenen“ zuschreiben kann, dann wünsche ich mir mehr Zurückgebliebene. Dann wünsche ich mir eine gewisse „Forrest-Gumpisierung“ im gegenseitigen Miteinander. Wie viel Forrest Gump steckt in Ihnen? Wie viel davon können Sie zulassen?


Sie können einen „Forrest-Gump-Lauf“ machen. Nein, nicht quer durch Amerika! Aber das absichtslose Laufen unter diesen Gesichtspunkt stellen – aus Freude an der Bewegung und weil Sie laufen wollen und es auch können. Tun Sie es und lassen Sie dabei auch wieder los: alles Leistungsdenken, alle Selbstquälerei. Laufen aus Freude am Leben. Einfach nur so.